von unserem Kölner IPA-Freund Nikolas Dimitrijevic

Als ich am 07.11.2012 aus dem Flugzeug in die tropische Nacht von Cairns ausstieg wusste ich schon, dass mir eine interessante Zeit bevor steht. Ich hatte kurz zuvor den Ablaufplan der Hospitation erhalten und erfahren, dass mir nicht nur ein Einblick in die meisten Bereiche der Polizeiarbeit in Cairns ermöglicht werden, sondern dass ich auch eine Woche mit Kollegen in verschiedenen Aboriginal-Communities verbringen würde. Wie interessant und beeindruckend meine Erfahrungen sein würden, war mir aber noch nicht bewusst.

Die erste Woche stand aber erst einmal unter dem Zeichen eines anderen „once in a lifetime“ Ereignisses. Eine totale Sonnenfinsternis in einem schmalen Streifen über Australien sollte geschätzte 60.000 Touristen, bis zu 10.000 Teilnehmer eines Eclipse Rave-Festivals und jede Menge Arbeit für die Polizei in die Region bringen.
Für mich brachte die Woche zuerst (in meinem zweiten Besuch in Australien) wieder in Erinnerung, dass das Wort „Region“ in Australien eine andere Bedeutung hat als in Deutschland.
Denn Größe des Landes und Bevölkerungsdichte unterscheiden sich doch gewaltig. So ist die Stadt Cairns mit seinen ca. 150.000 Einwohnern  die größte Stadt in der „Far Northern Police Region“ von Queensland. Diese Region hat in etwa die Größe Deutschlands und dem Deputy Commissioner  stehen ca. 700 Polizeibeamte und 200 zivile Angestellte für den Bereich zur Verfügung. (Stand 2009)
Man kann sich vorstellen, welche Herausforderungen solche Zahlen bedeuten, für den alltäglichen Dienst und insbesondere bei der Bewältigung eines solchen Großereignisses. Ich hatte die Gelegenheit, dieses im Befehlszentrum und mit Kollegen auf dem „Eclipse-Festival“ mitzuerleben.
Desweiteren konnte ich in dieser Woche die ersten Einblicke in den täglichen Dienst der Kollegen erhalten und  die fantastische technische Ausrüstung der Kollegen live im Einsatz sehen. Vor allem die Verkehrspolizei ist dort mit Technik ausgestattet, von der man hierzulande nur träumen kann. So ist es den Kollegen beispielsweise möglich, während  der Fahrt die Geschwindigkeit entgegen-kommender Fahrzeuge zu messen. Ein weiteres Beispiel sind Fahrzeuge, die mit einem System von Kameras und einem Computer ausgestattet sind, durch das die Nummernschilder anderer am Straßenverkehr teilnehmender Fahrzeuge automatisch überprüft werden.
In der zweiten Woche sollte es dann losgehen, zu einer großartigen Woche in Aboriginal-Communities des Cape York am äußersten Nord Osten Australiens. Ich begleitete die Polizei Ankläger auf ihrer monatlichen Gerichtstour in den verschiedenen Gemeinden.
Nach   einem zwei ein halb stündigen Flug in einer Cesna-Caravan mit den Anklägern, und einigen aus der Haft entlassenen Einwohnern der Communities, erreichten wir Aurukun. Eine Gemeinde mit 1200 Einwohnern, einer Schule, einem kleinen Supermarkt, Krankenstation und 12 Polizeibeamten. Die nächste Ortschaft, Weipa, befindet sich ca. 200 km nördlich und ist mit dem Auto nur über eine unbefestigte Straße zu erreichen. In den folgenden zwei Tagen begleitete ich die Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit, besuchte die Schule, traf Sozialarbeiter und Krankenschwestern.
Im Verlauf der weiteren Woche flog ich noch in die Communities Lockhart River, Kowanyama und Pormpuraaw, wo ich ebenfalls einen Einblick in die Arbeit der Kollegen erhalten konnte.
Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Gemeinden von ihrer geographischen Lage waren. Während Lockhart River zum Beispiel von dichtem Regenwald umgeben ist, befindet sich Kowanyama in australischem Buschland. Jedoch waren auch große Unterschiede im Charakter der jeweiligen Gemeinden und den Arbeitsbedingungen der Kollegen festzustellen.
Gemein hatten alle Communities, dass sie vom „Alcohol Management Plan“ der australischen Regierung betroffen sind und somit der Konsum und Besitz von Alkohol dort gesetzlich untersagt ist und unter Strafe steht. Dieses Gesetz wurde von der australischen Regierung im Jahre 2002 eingeführt um Gewaltstraftaten im Allgemeinen, sowie Fälle von Häuslicher Gewalt und Missbrauch von Kindern zu verringern.
Die illegale Einfuhr von Alkohol ist jedoch durch die wenigen Kollegen in den Communities jedoch kaum zu verhindern und so schien es mir, dass auch jetzt noch Alkohol ein entscheidendes Thema in den Gemeinden ist.
Mein Eindruck war es zudem, welcher mir von den Kollegen vor Ort bestätigt wurde, dass sich eine normalerweise friedliche Atmosphäre zwischen den Großfamilien der Gemeinde und zwischen Einwohnern und Polizei in wenigen Augenblicken in eine Situation der Gewalt und Eskalation verwandeln kann. Es war für mich sehr beeindruckend zu sehen, wie hervorragend die Kollegen in diesen schwierigen Bedingungen ihre Arbeit getan haben. Es war offensichtlich, dass sich die Polizeiarbeit in einer Aboriginal-Communities grundlegend von der Arbeit unterscheidet, welche ich bisher im Polizeiberuf kennengelernt habe und von den Kollegen weit mehr geleistet werden muss als „nur“ die Rolle der Polizei auszufüllen.
In einer Gemeinde, die teilweise offensichtlich eine andere Auffassung über Werte und Normen besitzt, als das restliche Land, ist es notwendig, dass Problemstellungen mit einer anderen Sichtweise betrachtet und angefasst werden . Dies wird natürlich auch dadurch bedingt, dass eventuell nötige Unterstützungskräfte ungefähr sechs Stunden benötigen, um per Flugzeug die Community zu erreichen.
Schon vor dem Hinflug wurde mir von Kollegen in Cairns versprochen, dass die Woche im Cape York ein „Eye opener“ sein würde. Sie sollten Recht behalten. Es war eine großartige Erfahrung, die wohl nur sehr wenige Australier machen können. Umso mehr freut es mich, dass dies mir ermöglicht wurde.
In den folgenden zwei Wochen konnte ich dann noch einen Einblick in fast jede Einheit der Polizei in Cairns erhalten. So begleitete ich unter anderem die Kollegen des Wachdienstes, des „Tactical Crime Squad“, die „Roadside Drug Testing Unit“ und die Hundeführer bei ihren Schichten. Kollegen der Kriminalpolizei, der forensischen Abteilung, des „Drug Squad“ und der „Child Protection Unit“ nahmen sich nicht nur die Zeit mir ihre Arbeit ausführlich vorzustellen, sondern ermöglichten es mir auch bei operativen Maßnahmen dabei zu sein.
An einem weiteren interessanten Tag konnte ich die Ankläger der Polizei bei verschiedenen Gerichtsverhandlungen begleiten und so auch das Justizsystem in Australien kennen lernen.
Ein weiteres Highlight wurde mir dann noch am letzten Tag geboten. Ein Trainingstag mit dem SERT-Team, der Spezialeinheit der Polizei Queensland, stand auf dem Programm. Auch hier stellten die Kollegen nicht nur ausführlich ihre beeindruckende Ausrüstung vor, sondern bezogen mich mit in das Training ein.
Leider ist es nicht möglich in einer Kürze die Eindrücke der vielen verschiedenen Bereiche hier wieder zu geben. Es war interessant zu sehen, wie sehr sich manchmal die Vorgehensweise,  Vorgaben oder Probleme für die Kollegen in Australien von denen bei uns in Deutschland unterschieden haben  aber auch wie ähnlich andere Problematiken, Gegebenheiten und Herangehensweisen waren.
Die vier Wochen bei dem Queensland Police Service waren eine einmalig Erfahrung für die ich mich bei der IPA der beiden Länder, dem QPS und besonders bei Daryl Green, Chris Hodgman und Adrian Gover für die Ermöglichung und eine fantastische Gastfreundlichkeit bedanken möchte.


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